Workshops am 18.08. nachmittags (Slot 2)

Änderungen möglich. Stand: 7. August 2019


Wenn Weiße Dreads tragen... – Argumente und Kritiken zum Konzept der kulturellen Aneignung
- Susanne Siebel

„Everything But The Burden - What White People Are Taking From Black Culture“ schreibt der US-amerikanische Kulturtheoretiker Greg Tate (2003) und bezieht sich dabei in seiner Essaysammlung auf das Konzept der kulturellen Aneignung. Bereits in den 1970 und 1980er Jahren durch Postcolonial und Cultural Studies hervorgebracht, beschreibt kulturelle Aneignung einen Prozess, in dem sich Mitglieder einer Mehrheits-/Dominanzkultur an kulturellen Gütern/Merkmalen von Minderheitenkulturen bedienen und diese zu ihrem Vorteil nutzen, noch dazu, ohne dass die Minderheitenkultur davon profitiert.
Was sagt es also aus, wenn Weiße Federschmuck tragen oder im Karneval als „Indianer“ verkleidet auftreten? Wie und wann und von wem hängt das Tragen von Dreads oder das Verkaufen von Bumerangs mit kolonialen Kontinuitäten zusammen? Und kann das überhaupt so „einfach“ beantwortet werden?
In unserem Workshop werden wir uns mit verschiedenen Gruppenübungen, Diskussionen und Input tiefer mit dem Konzept der kulturellen Aneignung auseinandersetzen, aus verschiedenen Perspektiven darauf blicken und aktuelle Diskurse aufgreifen. Wir streifen post- und dekoloniale Ansätze und Critical Whitness, beleuchten Beispiele für kulturelle Aneignung und ihre Gegenargumente. Dabei werden wir uns auch mit der Frage beschäftigen, was eigentlich „Kultur“ ist oder wie es verstanden wird und wie dies mit (kultureller) Identität verknüpft ist.


Transition Theater: Die siebte Generation fragt „und jetzt?“
- Dominik Werner

Stell dir vor, du könntest Menschen, die in sieben Generationen leben werden, von dir und deinen „und jetzt?“ Fragen erzählen. Wie würdest du wohl ihre Fragen beantworten? Was passiert wenn sich unsere Gegenwart langsam auf mehrere Generationen ausdehnt und das Wort Generationengerechtigkeit mehr als ein Begriff in den Definitionen von Nachhaltigkeit wird? Mit Übungen aus Theater und Tiefenökologie stärken wir unsere Imagination und gehen auf die Suche nach neuen Perspektiven und Antworten. Der Fokus dieses Workshops liegt darauf, wie unser individuelles und gesellschaftliches Handeln mit dem Leben zukünftiger Generationen un unserer globalisierten Welt verknüpft ist und ermutigt dazu,jetzt für eine soziale und ökologische Gerechtigkeit weltweit aktiv zu werden, die den heutigen und zukünftigen Generationen ein gutes Leben ermöglicht.


Nachhaltiger Konsum - geht das überhaupt?!
- Tobi Rosswog

„Es gibt keine per se nachhaltigen Produkte und Technologien, sondern nur nachhaltige Lebensstile.“, sagt der Postwachstumsökonom und Nachhaltigkeitsforscher Prof. Dr. Niko Paech.
In diesem interaktiven Vortrag werden wir uns gemeinsam über Themen wie Wegwerf- und Überflussgesellschaft, ökologischer Fußabdruck, virtuelles Wasser, graue Energie, Suffizienz und die Konsequenzen meines Konsums austauschen. Durch kleine Inputs mit Daten und Fakten werden die Thematiken interaktiv vermittelt sowie eine Orientierung durch Messinstrumente der Nachhaltigkeit gegeben.
Der Impulsvortrag soll vor allem auch das Weltbild des „grünen Wachstums“ und Konstrukte wie „Fortschritt“ und „Entwicklung“ kritisch reflektieren. Die steile These wird sein: „Geldfrei zu agieren, ist das Nachhaltigste, was Du tun kannst.“ Lasst uns im Anschluss zusammen reflektieren, wie alternative Lebensstile die Welt verändern können!


Flucht und Asyl - Menschenrechte auf dem Prüfstand
- Charlotte Kneffel & Tareq Alaows

Aus welchen Gründe, begeben sich Menschen aus der MENA-Region und Teilen Afrikas auf die Flucht? Welche Geschichten haben sie zu erzählen? Im ersten Teil dieses Workshops werden wir uns anhand von ausgewählten Beispielen mit Fluchtursachen auf individueller und politischer Ebene auseinandersetzen. Dabei werden wir auch den Aspekt der Involviertheit und der Verflechtungen von OECD-Staaten beleuchten. Im zweiten Teil werden wir den Blick auf das Ankommen in Deutschland und die Strukturen des deutschen Asylsystems lenken. Welche Strukturen darin sichtbar werden und welche Rolle das Herkunftsland in Deutschland spielt, sind Fragen denen wir uns zuwenden werden.


Einfälle statt Abfälle
- Christian Kuhtz

In diesem Workshop geht es darum, alten Gegenständen neues Leben einzuhauchen, sie zu reparieren oder umzufunktionieren und so wieder nutzbar zu machen. Es werden Alternativen aufgezeigt und auch konkret umgesetzt, wie sogenannter Müll kreativ verwertet werden kann.
So werden wir aus Schrott und Abbruchmaterial in Bauweisen, die Du mit einfachen Mitteln nachmachen kannst, Anlagen zur Nutzung der Sonnenwärme bauen: Schwerpunkt sind dieses Jahr Solarwärmeenergieanlagen, v.a. Solarduschen. Verschiedene weitere „Einfälle“-Projekte sind möglich.
Hinweis: Dieser Workshop findet nahezu die gesamte Konferenz über statt.


Digitale Selbstverteidigung im Internetz
- Nici Heinimann und Johannes Pein (AK Kritische Informatik Leipzig)

Die Enthüllungen von Edward Snowden zeigen das Ausmaß, in dem Geheimdienste und Polizeistellen unser Leben über das Internet überwachen. Besonders Aktivist*innen und Journalist*innen sind dadurch von Repressionen bedroht. Aber auch Internetriesen wie Facebook, Google & Amazon haben es auf unsere Daten abgesehen.
In diesem Workshop möchten wir grundlegende Fähigkeiten und Werkzeuge vorstellen, mit denen wir gegen diese Eingriffe in unser Leben wehren können. In welcher individuellen Gefahrenlage befinden wir uns? Wie können wir darauf reagieren? Es wird vorgestellt, wie man sich seiner eigenen Gefahrenlage bewusst wird (Thread Modelling) und basierend darauf entsprechende Maßnahmen ergreift. Dabei gehen wir auf zwei Schwerpunkte ein: sichere Kommunikation und sicherer Umgang mit Passwörtern. Durch Inputvorträge und Diskussionen möchten wir bekannte Informationen überblicken und ein gemeinsames Bewusstsein für IT-Sicherheit schaffen. Ziel ist es, mit den verbreiteten Unklarheiten zum Thema IT-Sicherheit aufzuräumen und anwendbare Kenntnisse zur digitalen Selbstverteidigung, besonders im Internet, zu teilen.
Wie sicher ist meine Kommunikation? Wie sicher sind meine Passwörter? Wie kann ich die Kontrolle über meine Daten zurückerlangen? Im Praxisteil möchten wir gemeinsam auf diese Fragen eingehen. Dazu werden einige Anwendungen vorgestellt, die euch eine grundlegende Sicherheit ermoglichen. Wir möchten diese Tools zusammen mit euch, auf euren Geräten, installieren und ausprobieren. In einer Installationsparty sollen auf jedem mitgebrachten Gerät der sichere Messenger Signal, sowie Tools zur Passwortsicherheit (Passwortmanager & One-Time-Password) installiert werden. Zudem werden alle Schritte, die zur sicheren Email-Kommunikation via GPG nötig sind, vorgestellt und teilweise ausprobiert.
Hinweis: Für den Praxisteil ist das Mitbringen eigener Geräte (Smartphones & Laptops) erwünscht.


Das Premium-Kollektiv und Konsensdemokratie
- Miguel Martinez (Premium)

Premium verkauft seit 17 Jahren Getränke in 200 Städten in 3 Ländern. Es gibt von sich an, nach folgendem Leitsatz zu handeln: „Premium will ein faires, ökologisches und sozial tragfähiges Wirtschaftsmodell in hoher Qualität vorleben und verbreiten.“ So wird alles im Konsens entschieden - mit allen Gliedern der Produktionskette, von den Abfüllenden bis zu den Konsumierenden. Das kann zunächst kompliziert klingen und dennoch funktionieren. Eine wichtige Komponente dabei kommt dem Konsensprinzip zu. Wie so ein Untermehmen und diese Art der Kommunikation funktioniert, inklusive praktischer Beispiele, könnt ihr in diesem Workshop erfahren.


Awareness als Antwort auf Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen
- Hannah Siler & David Michel

Bestehende Macht- und Gewaltgefüge umgeben und durchströmen uns überall und können  sich in Diskriminierung und Grenzüberschreitungen äußern. Diese durchziehen unsere Gesellschaft, unseren Alltag und Ja (!), auch die undjetzt?!-Konferenz. Solange wir (noch) in einer Welt leben, in der Menschen diskriminiert werden, braucht es eine Antwort auf bestehende Diskriminierungserfahrungen. Wie können Veranstaltungen zu Räumen werden, in denen Menschen mit Diskriminierungserfahrungen nicht allein gelassen werden? Wie können wir Grenzüberschreitungen begegnen? Wie können wir entsprechende Strukturen schaffen und verankern? Wie können wir Menschen, deren Grenzen überschritten wurden, stärken?
Awareness Konzepte wollen einen Umgang mit Diskriminierung (Sexismus, Rassismus, Abelismus...) und Grenzüberschreitungen schaffen. Awareness ist eine Haltung und ein Handeln, das Verantwortung übernimmt und darauf reagiert, dass Gewalt und Diskriminierung stattfinden.
In unserem Workshop wollen wir ein Grundkonzept von Awareness vorstellen, die zentralen Begriffe Definitions- und Handlungsmacht erläutern und die Vorteile dieser Herangehensweise sichtbar machen. In praktischen Einheiten werden wir Awarenessarbeit üben, diskutieren was dabei zu beachten ist und die Grundlagen für Awarenessarbeit auf Veranstaltungen legen.
Der Workshop richtet sich an alle, die schon immer mal wissen wollten, was hinter Awareness steckt, die mehr darüber erfahren wollen oder die Awarenessarbeit (z.B. auf der Konferenz) machen wollen.
Da aufgrund der gesellschaftlichen Positionierung die Workshopgebenden (Hannah: weiß-deutsch, cis-Frau, von sexualisierter Gewalt getroffen, able-bodied, akademisch privilegiert; Jill-David: weiß-deutsch, nonbinary, männlich gelesen, männlich sozialisiert, able-bodied, akademisch privilegiert) nur bestimmte Erfahrungs- und Handlungsräume erleben, wird sich unser Workshop mehr mit Antisexistischer Awareness als mit anderen Diskriminierungsformen beschäftigen.